LK Französisch - ein französisches Trauerspiel
Die letzten zwei Jahre lassen sich durch ein einziges mot clé ausdrücken: "la catastrophe" - und das wohl für beide
Seiten.
Schon vor Beginn der Kollegstufe hatten wir unsere Erfahrungen mit "Jacques" gemacht, aber wir ließen uns nicht abschrecken, denn wir hatten Spaß an der Sprache. Allerdings ließ unsere Freude schon nach der 1. Klausur nach.
Trotzdem ließ er sich von unserer Demotivation nicht abschrecken und machte es sich zu einer Lebensaufgabe uns zu echten "Frankophonen" heranzuziehen. Das begann damit, daß er sich wochenlang bemühte uns zu einer LK-Fahrt nach Frankreich zu überreden. Leider scheiterte dieser Versuch, da sich nur eine Person bereit erklärte daran teilzunehmen, weil der Rest sich schon für andere Fahrten entschieden hatte. Die Tatsache, daß die anderen ihn nicht in sein geliebtes Frankreich begleiten wollten, kommentierte er mit einem vielsagenden Grinsen. Der nächste Versuch bestand darin, unser französisches Hörverständnis durch das Ansehen eines französischen Kinofilms zu verbessern (an sich eine gute Idee, aber leider war der Film eine ziemliche langweilige Biographie). Dieses Unternehmen wurde für uns sehr stressig, da wir nur damit beschäftigt waren, den deutschen Untertitel zu lesen. Somit blieb dies der erste und letzte französische Kinofilm in unserem Leben. Doch er gab nicht auf! Er probierte uns für französische Chansons zu begeistern. Dabei durfte natürlich der dazugehörige Lückentext nicht fehlen. Doch schon der Anblick des Kassettenrekorders ließ uns Böses ahnen, denn wir mögen einfach keine Chansons. Selbst nach dem Gong, begleiteten uns seine Chansons noch zum Ausmarsch. Aber seine Mission war noch nicht zu Ende. Bei einen Besuch in der "Maison Wibmer" wurden wir mit französischer Kost verwöhnt. Das war zwar wirklich nett, konnte aber unsere Aversion gegen alles Französische auch nicht mehr schmälern. Seitdem beschränkte sich unser Kontakt mit Jacques nur noch auf den
Unterricht.
Dieser war gekennzeichnet durch:
-unzählige Folien, die oft durch Unleserlichkeit und das Fehlen von Struktur glänzten und in Lichtgeschwindigkeit wieder von der Wand
verschwanden
-das Aufrufen von Leuten, von denen er sicher wußte, daß sie auf die Frage nicht antworten konnten (weil sie beispielsweise entweder die Stunde vorher nicht da waren oder die Hausaufgabe nicht gemacht oder verstanden hatten, was sie ihm vor der Stunde gesagt hatten). Auf ein "Je ne sais pas" folgte dann ein dämonisches (?), vermeintlich freundliches Grinsen und er suchte sich ein neues
Opfer.
-zahlreiche Referate, bei denen er bisweilen scheinbar mit aller Kraft versuchte, den Referenten bloßzustellen (zumindest kam uns das manchmal so vor), indem er auf dem Arbeitsblatt plötzlich zahlreiche Rechtschreibfehler fand, obwohl er es zuvor korrigiert hatte (ähnlich beim Inhalt). Auf das Referat folgte dann eine fünfminütige Pause, in der er auf Fragen von Schülerseite wartete, die eigentlich nie folgten. Aber dafür hatte Jacques ja vorgesorgt! Und somit prasselte ein Platzregen von Fragen auf den Referenten nieder, die der Referent oft nicht wissen konnte und das Referat auf die doppelte Zeit verlängerten. Dafür minderten sie wohl die
Referatnote.
-eine "petit pause", eine um fünf Minuten verkürzte Zäsur. Nachdem wir fluchtartig das Klassenzimmer verlassen hatten, um uns erschöpft auf den Bänken im 3. Stock niederzulassen, konnte man die Sekunden an einer Hand abzählen bis er erschien und uns ins Zimmer zurückbeorderte. Die Tragödie nahm ihren
Lauf!
-Floskeln, die Fremdbeschäftigung verhindern sollten. O-Ton Jacques sich vor dem Tisch aufbauend: "Ich bin jetzt da!". Dies war die Aufforderung sofort alles von sich zu werfen und sich dem Unterricht zu
widmen.
-das Vorurteil, daß Schüler, die schriftlich schlecht sind es auch kaum zu einer guten mündlichen Note bringen
können
Le point culminant de la tragédie: Die letzten Wochen vor dem Abitur glänzte er durch seine exzellente Abiturvorbereitung. Diese bestand darin sich ganz seinen französischen Austauschschülern zu widmen, weshalb sich die Korrekturzeiten der Probeabiture (die nur von der Hälfte des Kurses, also höchstens 5 Leuten, abgegeben wurden) auf mehrere Wochen ausdehnten (und wir bis heute keine schriftliche Beurteilung der Facharbeiten bekommen haben). Um noch schnell den Rest des Lehrplans zu erfüllen (leider waren wir durch die zahlreichen Referate und Chansons etwas in Zeitdruck gekommen), begann Jacques vier Wochen vor dem Abitur mit der ausführlichen Besprechung des historischen Werkes "L'Etranger" (leider nicht Abi-relevant). Damit waren wir dann den größten Teil der restlichen Zeit beschäftigt, weshalb unsere Abiturvorbereitung so ziemlich eingestellt
wurde.
Zum Schluß noch einige Zitate, die unseren Unterricht
prägten:
"un peu de vocabulaire"
"mot clé"
"petit pause"
"en français!"
Abschließend bleibt zu sagen, daß seine Mission völlig fehlgeschlagen ist, denn statt frankophil wurden wir eher frankophob (was auch er zu seinem Entsetzen in einer Diskussion in der letzten Woche feststellen mußte). Viel Glück beim nächsten
LK!
P.S.: Es hat wohl einfach nicht gepaßt.