Der Gewaltmarsch des Herrn Feuerleins

Bei Wind und Wetter erreichte Herr Feuerlein mit seinem rasanten Fahrrad stets um 7.45 Uhr das Hardenberg Gebäude. Fünf vor acht hielt er uns, den immer unausgeschlafenen Schülern des Mathematik Leistungskurses, mit einem Lächeln im Gesicht die Türe des Klassenzimmers auf. Der Gongschlag eröffnete dann die täglichen Spekulationen über den Letzten, der das Zimmer betreten wird. Der Letzte musste nämlich in der Zwischenpause die Tafel wischen. Diese Erziehungsmaßnahme hatte jedoch nicht das Ergebnis, dass wir zur nächsten Stunde pünktlich erschienen wären, sondern das Einzige, was sich verbesserte, waren unsere Wischtechniken.
Einen Extra-Bonus erhielt unser Lehrer von allen LK-Teilnehmern als er uns von Referendareinsätzen verschonte und sich das Ruder nicht aus der Hand nehmen ließ. Ein ganz spezieller 1. April-Scherz von Herrn Feuerlein ist, dass er die Referendare ins Sekretariat schickt um den "Nürnberger Trichter" zu holen - der Clou ist, dass es keinen Trichter gibt! Typisch für unseren Spaßvogel Feuerlein!
Unser Mentor wusste ganz genau, wie er jeden einzelnen Schüler nehmen musste. Seine Geduld und seine zahlreichen Beispiele, die dem Verständnis dienten, waren echt oskarreif. Gerade in der Wahrscheinlichkeitsrechnung verdeutlichten Bonbons, Schafkopfkarten und andere Hilfsmittel die verschiedenen Lösungsmethoden. Unvergesslich bleibt als er Stefanie Breuer zur Hellseherin ernannte um uns das Testen von Hypothesen zu vermitteln.
Herr Feuerlein kannte seine Schützlinge so genau, dass er für jeden die richtigen Tipps und Tricks hatte um uns alle durchs Abitur zu bringen. Stochastische Geheimtipps, die zu 90% immer zutrafen:
1.) Die größte Zahl im Text ist "n".
2.) Die Prozentzahl ist das Signifikanzniveau.
3.) Die dritte Zahl ist meistens die Trefferzahl.
Aber Herr Feuerlein gab uns nicht nur mathematische Weisheiten auf den Weg. Er erstellte sogar Ernährungspläne für die Prüfungsstunden. Viel Bananen, viel Schokolade und viel Wasser (kein Bier!). Und dazu viel Ruhe, Konzentration und keine Hektik und Panik! Da laut unserem Mathelehrer das Abitur eine Qual ist, bei der man nicht verzweifeln oder gar aufgeben darf, entscheidet das eigene Durchhaltevermögen über Erfolg oder weniger Erfolg. Diese These ist nur auf Herrn Feuerlein zurückzuführen.
Durch diese Tipps und Sprüche baute uns unser Mentor immer wieder auf und letztendlich hat er uns alle zum Ziel begleitet.
Herrn Feuerlein kann man nur als "Gute Seele der Mathematik" bezeichnen, da er sich für seine Schüler wirklich aufopfert. Er richtete extra für uns ein "Seelsorge-Telefon" ein, das Tag und Nacht besetzt war. Jedoch nahmen wenige Schüler diese Möglichkeit in Anspruch und so beschwerte sich Herr Feuerlein nach den Osterferien, dass kein Schwein ihn anruft und keine Sau sich für Mathematik interessierte.
Doch Herr Feuerlein opferte noch mehr Freizeit für uns. Zum einen ließ er den Wandertag nicht ausfallen, sondern führte uns durch Wälder, Höhlen und an Flüsschen vorbei, bis wir schließlich am ersehnten Gasthof gestrandet sind. Und zum anderen trainierte er uns ein ganzes Wochenende in Heiligenstadt für den Abi-Marathon. Seine Gehilfen Meier und Büttner unterstützten ihn wo sie konnten. Sogar göttlichen Beistand holten die "Drei Musketiere" für uns ein.
Die letzten Motivationsschübe waren Herrn Feuerleins unermüdlichen Wiederholungen über die Folgen des "Nichts-Lernens". Sein schlagkräftigstes Beispiel war der Tennisspieler, der keine Aufgaben gerechnet hat sondern lieber Joggen gegangen ist. Dieser hatte eine gute Sport-Note aber in Mathe sah es nicht so rosig aus.
Mit diesem Bericht wollten wir uns nur bei Herrn Feuerlein für die Fairness, die Verbesserungsmöglichkeiten, die Motivationsschübe (Der sogenannte "Tritt in den Hintern"!), die endlose Geduld und die Menschlichkeit bedanken. Dank ihm haben wir alle unser Abi bestanden! Danke!
LK Mathematik(Feuerlein)



LK-Bericht Mathematik - Feuerlein

Die Kollegstufe begann für uns mit der Ungewissheit, in welchen der drei gebildeten Leistungskurse Mathematik wir als Teilnehmer hineinrutschen würden. Als LK-Leiter waren uns Herr Feuerlein und Herr Meier bereits bekannt, der dritte blieb fragwürdig und ist dies wohl auch noch heute.

Bei 22 Kollegiaten sollte sich Herr Rainer Feuerlein als Wegbereiter in die Abiturprüfung erweisen und dieser Aufgabe kam er im höchsten Maße nach. Er nahm uns früh bestehende Zweifel v.a. bezüglich des für den 11. Mai 2000 angesetzten Matheabiturs, indem er uns stets zu Gehör brachte, dass unter ihm selbst die mathematisch vielleicht etwas unerfahrenen und lernfaulen Sportler seine Klausuren und letztlich die Abschlussprüfung heilfroh meisterten.
Mit dieser Motivation im Hinterkopf ergründeten wir während der gesamten Kollegstufe mathematisches Neuland in den Themenbereichen Infinitesimalrechnung, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Analytische Geometrie. Herr Feuerlein verstand es dabei durch seine exzellenten pädagogischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten, unseren teilweise qualmenden Köpfen die einzelnen Themenbereiche verständlich zu vermitteln, was sich in einem stets positiven Klausuren- und Abiturschnitt ausdrückte.

Während die Kurvendiskussion und die Analytische Geometrie uns größtenteils unproblematisch erschienen, harrten wir der bevorstehenden Wahrscheinlichkeitsrechnung, von der man sagen hörte: "Entweder man versteht sie gleich oder nie!!!"
Aber auch hier boxten wir uns durch, getrieben von dem Gedanken an die russischen Mathematiker mit ihrem wohl berüchtigsten Vertreter Tschebyschew. Wenn solch einer was von Mathematik verstehen sollte, dann war uns klar: Wir erst recht! Denn zur Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit P(I X-µ I <= ó) >= 0 braucht man kein mathematisches Können!
Aber auch Herrn Feuerleins Schlachtrufe "Es lebe der Baum!" bei Baumdiagrammen und bedingten Wahrscheinlichkeiten sowie "Ich habe noch nicht fertig!" bei den Pfadregeln seien bei dem "Kampf gegen die Stochastik" erwähnt und werden uns wohl stets in Erinnerung bleiben.

So verstand Herr Feuerlein uns stets zu motivieren und uns dazu drängen, Aufgabe um Aufgabe zu rechnen, uns zur Eigenleistung zu treiben. Andrei war sogar so motiviert, dass er vorwiegend zu spät kam, nur um in den Genuss zu kommen, die Tafel am Ende der Stunde von mathematischen Formeln bereinigen zu dürfen. Die Annahme seine Verspätung wäre z.B. auf Verkehrsstaus oder ähnliche Umstände zurückzuführen erscheint bei einem flüchtigem Blick zwar plausibel, aber nicht unter Anbetracht dessen, dass Andrei gerade einmal 50m von der Schule entfernt wohnt. Hieraus wird ersichtlich, er wollte die Tafel wischen, auch wenn ihm mitunter dieses Vergnügen verwehrt wurde, da andere ihm nacheiferten und "absichtlich" nach ihm den Raum betraten (Gerhard, Yvonne, Sonja u. v. m.).
Die Moral in unserem Leistungskurs war einzigartig und der Zusammenhalt, besonders gegenüber den beiden anderen Leistungskursen Mathematik, erstklassig. Auch humorvolle Einlagen seitens Herrn Feuerleins und natürlich unsererseits waren im Überschuss vorhanden und lockerten die sowieso schon gute Atmosphäre auf. Kurz gesagt: zwei schimmernde Jahre, deren man sich erinnern wird!!!

Recht herzlichen Dank unsererseits an Herrn Rainer Feuerlein, eine allseits beliebte Persönlichkeit, sei es als Lehrer oder als Ansprechpartner und Mitmensch.
Verfasser: Michael Fuchs
Mit ihm wird das Hardenberg-Gymnasium in ein paar Jahren ein Herzstück verlieren.
Für seinen weiteren Lebensweg wünscht ihm sein Leistungskurs Mathematik, Jahrgang 98/00, alles Gute!



Wussten Sie schon, dass...

...ich bei der Vergabe der drei Leistungskurse das große Los mit 23 (!!) Schülern gezogen habe, und nicht wusste, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht?
...Sonja es versteht, die Dinge so zu wenden, wie sie diese gern nehmen möchte?
...Andrei über solch mangelhafte Spurtqualitäten verfügt, dass er immer zum Unterricht zu spät kam, deshalb die Tafel putzen durfte und so nicht nur auf die Mathematik, sondern auch auf die Führung eines eigenen Haushalts vorbereitet wurde?
...Bastian auf der Jagd nach drei Getränkedosen ganz Fürth unsicher gemacht hat und er überraschender Weise mit drei nicht alkoholisierten Dosen erfolgreich war?
...Steffi Appetit auf Arbeit bekam - hauptsächlich dann, wenn andere arbeiteten?
...Benedikt aus kleinen Misserfolgen sofort die Konsequenzen zog und wieder kräftig zupackte - und sich das während des Leistungskurses sehr, sehr oft wiederholte?
...es für Simone wesentlich schwieriger war, eine Aufgabe richtig vom Angabenblatt abzuschreiben, als sie richtig zu lösen?
...Elke einen Playboy und ein Penthouse besitzt und beide nicht verleiht?
...Gerhard nicht wusste, dass das Hinauslehnen aus dem Fenster und das Aussteigen während der Fahrt verboten ist?
...Michael die theoretischen Grundlagen der Logik, die er sich für seine Facharbeit aneignete, auch im Unterricht und im praktischen Leben umzusetzen versteht?
...es zwei zarten Händen gelang - was mir jahrelang misslang - den widerspenstigen Bastian zu zähmen?
...es längst nicht genug Korn gab, dass Simone ihre Flinte hineingeworfen hätte?
...Michael nicht im Bilde war und deshalb auch nicht aus dem Rahmen fallen konnte?
...Jürgens Antworten genau so kurz und passend wie seine Frisur waren?
...Stefan im Unterricht jeweils so geschickt abtauchte, dass der Lehrer am Ende jedes Kurshalbjahres immer wieder von Neuem überrascht war, dass auch er am Leistungskurs teilnimmt?
...Richard über die seltene Gabe verfügt, über Dinge überzeugend zu reden, auch wenn er davon überhaupt keine Ahnung hat?
...sich Marko im vierdimensionalen Raum viel besser zurecht findet, als im dreidimensionalen?
...Steffi ihren Kursleiter dazu erzog, die Kursteilnehmer für das Mathematik-Abitur zu motivieren?
...Tamim seine Haare deshalb so kurz schneiden ließ, dass ihm diese bei der Bundeswehr nicht zu Berge stehen können?
...Ivan vom Regen in die Traufe kam, sich aber dann mit Energie selbst aus dem Wasser zog?
...Ariane erkannt hat, dass die vielen Holzwege in der Mathematik kein Beweis dafür sind, dass es einen richtigen gibt?
...Nicole keinen blassen Dunst von der Schädlichkeit des blauen Dunstes hat?
...Kristina am Leistungskurs mit dem olympischen Motto teilnahm: Dabei sein ist wichtiger als Gewinnen?
...Yvonne bewiesen hat, dass ihr Intelligenzquotient - nämlich der Quotient aus Ausbeute durch Aufwand - sehr hoch ist, da ihr Aufwand minimal war?
...wir alle in einem Boot sitzen? Nur: Die einen legten sich in die Riemen, die anderen ließen sich treiben.
...nicht alles Gold ist, was durch Abwesenheit glänzte?
...ich für die zwei Wochen Osterferien sechs Abituraufgaben als Hausaufgabe gestellt hatte und anbot, meine Schüler sollten mich bei Unklarheiten anrufen? Aber: "Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für Mathematik.". Es schweigt das Telefon.
...in der Formelsammlung stehen könnte, was man nicht im Kopf hat?
...ich allen für das Abitur die Daumen drücke, obwohl es besser gewesen wäre, vorher die Daumenschrauben anzuziehen?
...mancher nicht weiß, was er wissen sollte, obwohl er schon so viel weiß, dass es für einen Punkt im Abitur reichen könnte?
...nicht in den Unterrichtspausen Spiel-, sondern im Unterricht Lernzwang bestand?
...mir der Unterricht in diesem großen, lebendigen, aufgeweckten Kurs Spaß gemacht hat, auch wenn es keiner bemerkt haben sollte?

Rainer Feuerlein